good news – bad news
Die schlechte Nachricht: Ich muss mein Exposé noch einmal komplett neu aufsetzen. Die gute Nachricht: Meine Fragestellung steht jetzt mittlerweile ziemlich konkret, nachdem ich das Thema noch einmal komplett gewechselt habe. Aber von Anfang an…
Der SoR-SmC-Coach
Als freier Mitarbeiter der bayerischen Landeskoordination des Projekts Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage (Abk.: SoR-SmC) bin ich seit September damit beschäftigt, eine Weiterbildung für LehrerInnen an SoR-SmC-Schulen zu konzipieren. Die Weiterbildung wird 20 jeweils dreistündige Module umfassen, die sich in vier Teilbereiche aufteilen lassen:
- Schule: Im Vordergrund dieses ersten Bereichs steht die Reflexion der eigenen Person im Kontext der Institution Schule sowie die Klärung der Rolle der LehrerInnen im SoR-SmC-Projekt.
- (ohne) Rassismus: Die (theoretische) Auseinandersetzung mit Rassismus und anderen Formen von Diskriminierung bildet den Schwerpunkt des zweiten Teilbereichs.
- (in) Vielfalt: In den Modulen dieses Bereichs sollen die positiven Effekte und Chancen einer vielfältigen und pluralen Gesellschaft beleuchtet werden.
- (mit) Courage: Im vierten Bereich geht es darum, Strategien und Handlungsoptionen aufzuzeigen, mit denen man Rassismus in der Schule und im Alltag begegnen kann.
Die Weiterbildung soll jährlich angeboten und jeweils Ende Juni beginnen. Sie kann (muss aber nicht) innerhalb eines Kalenderjahres abgeschlossen werden. Die Zertifizierung zum „SoR-SmC-Coach“ erfolgt, wenn aus jedem Bereich je fünf Module erfolgreich absolviert wurden (d.h. der Gesamtumfang der Weiterbildung beträgt 60 Zeitstunden). Der Titel „Coach“-Begriff verweist im Übrigen darauf, dass LehrerInnen im Projekt eine andere Rolle einnehmen, als es in der Schule üblich ist (auch wenn die Bezeichnung “Coach” aus wissenschaftlicher Sicht eigentlich nicht ganz korrekt ist): Fokus der pädagogischen Arbeit liegt hier in der inhaltlichen Begleitung, Beratung und Unterstützung der im Projekt aktiven SchülerInnen.
Erstes Gespräch mit dem Betreuungskomitee
Die konzeptionelle Arbeiten an der Weiterbildung boten verständlicherweise etliche Querverbindungen zu meinen Literaturstudien, sodass ich mich nach einigen Überlegen dazu entschloss, die Fragestellung meiner Dissertation so zu verändern, um sozusagen “zwei Fliegen mit einer Klappe” schlagen zu können.Vergangenen Mittwoch fand das erste Gespräch mit meinem (noch zweiköpfigen) Betreuungskomitee statt: Ich stellte Herrn Prof. Dr. Roland Stein und Herrn Prof. Dr. Stephan Ellinger meine Überlegungen zum vollzogenen Themawechseln vor und war sehr froh, dass sie – nach einigen Konkretisierungen im methodischen Vorgehen – auch weiterhin bereit sind, mich in meiner Promotionszeit zu betreuen.
Die neue Forschungsfrage
Nach den abgesprochenen Änderungen ist nun die Theorie des von mir entwickelten Weiterbildungskonzeptes Gegenstand der Disseration. Dies soll auf hermeutischer Grundlage (d.h. auf Grundlage bestehender Texte und Veröffentlichungen) geschehen; ich muss – anders als erwartet – also nun glücklicherweise keine empirische Forschung betreiben, was denke ich noch einmal Zeit und Nerven spart.
Da es – zumindest aus rassismuskritischer Perspektive, also aus der Blickrichtung, aus der ich forsche – noch relativ wenige Weiterbildungskonzeptionen gibt, werde ich versuchen, in meiner Disseration eine Art “Metatheorie” zu entwickeln, in deren Ideengerüst sich die eher aus einer Praxistheorie heraus entstehende Weiterbildungskonzeption (hoffentlich) einbetten lässt. D.h. ich nähere mich der Weiterbildung aus zwei Richtungen: a.) Von wissenschaftlich-theoretischer Seite her in der Disseration und b.) von praxiserfahrungs-basierter Seite aus durch die Entwicklung und Durchführung der Weiterbildung. Dadurch entstehen hoffentlich viele Synergieeffekte; zumindest bin ich momentan sehr motiviert und zufrieden, auf ein so klar definiertes Ziel hin arbeiten zu können.
Wie geht’s jetzt weiter
Über den Jahreswechsel hinweg wird es hoffentlich etwas ruhiger, nachdem die vergangenen Wochen sehr turbulent waren. In dieser Ruhephase hoffe ich, einiges Lesen zu können und etwas Zeit zum Nachdenken über die neue Fragestellung zu haben. Bis spätestens Ende Januar möchte ich dann gerne das neue Exposé (inkl. Zeitplan) fertig gestellt haben.